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W O R K – L I F E – S L E E P – C A T –  B A L A N C E

Während sich gerade im Minutentakt die Schlagzeilen mit den neusten Entwicklungen, Maßnahmen und Verordnungen überschlagen, finden sich immer mehr Menschen Zuhause ein und versuchen es sich dort für einige Wochen so angenehm wie möglich zu gestalten. Viele meiner Catsitter-KollegenInnen und mich hat die Einschränkung der Reisemobilität und die daraus resultierenden Absagen von Einsätzen getroffen. Die nächsten Wochen sind auch für uns entscheidende Wegweiser für das restliche Jahr. Es gibt einiges zu überdenken, umzuplanen und anzupassen. Bei allem Optimismus und der Hoffnung, dass hier in wenigen Wochen wieder so etwas wie Normalität einkehrt, ist es sicherlich ratsam, sich darauf einzustellen, dass Abweichungen vom Alltag und gewohnten beruflichen und privaten Strukturen uns noch monatelang beschäftigen werden.

Wer insbesondere finanziell betroffen ist, aber aktuell gesund und nicht vorbelastet ist oder einfach nur helfen möchte, kann in Erwägung ziehen, dort aktiv zu unterstützen, wo es besonders notwendig ist: Regale einräumen im Supermarkt, für Apotheken Medikamente ausfahren, in der Nachbarschaft und über verschiedene Seiten im Internet, Menschen die Art von Hilfe anbieten, die sie gerade besonders brauchen, online über Plattformen verschiedene Fächer unterrichten, Blut spenden, etc.. Für alle Catsitter könnte unser Einfühlungsvermögen für Tiere die Möglichkeit eröffnen, auch mal den ein oder anderen Hund aus der Nachbarschaft besser kennenzulernen. Hilfe anbieten und selbst mehr Zeit an der frischen Luft verbringen. Tierliebe ist schließlich nicht auf Katzen begrenzt 😉 Es gibt so viel zu tun und das Angebot ist vielfältig. Nicht alles ist für jeden geeignet, aber jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten handeln und ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwandsentschädigung helfen. Auch für mich bedeuten die aktuellen Entwicklungen, dass S T U B E N T I G E R (hoffentlich nur) eine kleine Zwangspause einlegen muss. Nichtsdestotrotz werde ich genau abwägen, wie ich diese Pause sinnvoll für mich und als Unterstützung für andere nutze. Finanziell muss ich mich wahrscheinlich für einige Zeit anders aufstellen. Und auch zeitlich, denn auch wenn ich meine Haupttätigkeit als Verhaltensberaterin für Katzen weiter von Zuhause ausführen kann, ist da ja plötzlich so viel mehr vom Tag übrig. Die Zeit möchte ich nicht (nur) damit verbringen, alle Serien und Filme bei Netflix zu sehen 😉

Zum einen wäre da meine Masterarbeit, die dringend geschrieben werden möchte – soweit mein Literaturvorrat das zulässt (Bibliotheken sind ja auch geschlossen), werde ich mich also ins Schreiben vertiefen. Ich habe mir fest vorgenommen noch mehr Blogbeiträge zu verfassen und viele, viele tolle Bücher lesen (ein paar spannende Krimis, aber auch einige Sachbücher, um mein Wissen über Katzen zu vertiefen, zudem ein wenig Lesestoff zur Persönlichkeitsentwicklung und zur finanziellen und beruflichen Selbstbestimmung). Ich werde Katzenbilder sichten und Beiträge vorbereiten. Ich kann die Zwangspause also gut nutzen, um mich fortzubilden und mein Unternehmen weiter auszubauen. Mein Plan ist es, potenzielle zukünftige S T U B E N T I G E R -Klienten heute schon auf mich aufmerksam machen. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass irgendwann der Punkt kommen wird, an dem plötzlich alle wieder in den Urlaub fahren können! Und natürlich möchte ich den Kontakt zu den bisherigen Haltern und ihren Katzen in meinem Team pflegen. Die soziale Abstinenz von Freunden und Familie, sowie von Unternehmungen werde ich mit Telefonaten, Nachrichten und Videoanrufen überbrücken – mit der heutigen Technik alles kein Problem, nur vielleicht anders als bisher gewohnt. Filme lassen sich problemlos auch zeitgleich, aber an unterschiedlichen Orten sehen und Konzerte gemeinsam hören. Und wie wäre es mit einer täglichen Verabredung zum Yoga oder einer anderen beliebigen Sportart, die von Zuhause aus gut durchführbar ist? Jeder bei sich in seinen eigenen vier Wänden, aber doch irgendwie alle zusammen und es darf abwechselnd angeleitet werden. Ich werde mich auf jeden Fall mit einigen Karatevideos vertraut machen und mich auf die nächste Gürtelprüfung vorbereiten – zur Freude meiner Nachbarn vielleicht auch auf meinem Balkon 😉

Trotz meiner notwendigen persönlichen Umstellungen und beruflichen Umplanungen freue ich mich sehr für die vielen Familien und Kinder, die nun mit ihren Katzen unerwartet viel Zeit zusammen verbringen können. Doch womit kann man diese wundervolle Zeit für sich und seine Katzen noch besser nutzen? Es kursieren viele, viele Ideen und der eine ist sicherlich schon sehr kreativ und aktiv dabei diese umsetzen, während andere sich freuen, weitere Inspirationen zu bekommen.

Viele Katzen genießen allein schon die Tatsache, dass ihre Lieblingsmenschen nun quasi 24/7 daheim sind und belagert werden dürfen (besonders Laptops haben als optimale Liegefläche eine magische Anziehungskraft auf unsere Stubentiger 😉). Für manche Katzen kann die Daueranwesenheit einiger oder aller Familienmitglieder aber eine gewisse Phase der Umgewöhnung mit sich bringen. Die bisherige tägliche Routine wird durchbrochen, es ist sehr viel trubeliger und die Stimmung manchmal sicherlich auch angespannter, wenn alle auf so engem Raum zusammenhocken. Neue Konflikte können entstehen, nicht nur zwischenmenschlicher Natur, sondern auch zwischen Tier und Mensch und zwischen Katzen in einem Mehrkatzenhaushalt. Unterschiedliche Bedürfnisse prallen aufeinander und jetzt ist es besonders hilfreich, mal die Perspektive zu wechseln und Nach – sowie Umsicht walten zu lassen. Immerhin müssen nicht nur wir in unseren eigenen vier Wänden durch diese Zeit durch, sondern auch unsere Katzen und anderen tierischen Mitbewohner – und auch alle anderen „da draußen“ in ihren vier Wänden 😉 Ich bin sehr gespannt, ob meine Kunden aus den Verhaltensberatungen sich nun intensiver ihren Katzen und den therapeutischen Maßnahmen widmen können und wir einige der Verhaltensauffälligkeiten zeitnah gelöst haben werden – möglicherweise schneller als ursprünglich gedacht. Vielleicht führt diese herausfordernde Zeit vermehrt zu neuen Beratungsanfragen. Durch die viele Zeit Zuhause könnte das Bewusstsein für bisher unerkannte oder marginalisierte Verhaltensprobleme zunehmen. Gleichzeitig wäre die Zeit da, sich diesen Problemen direkt anzunehmen.

Auch ohne akuten Beratungsbedarf entsteht bei vielen von uns durch einen veränderten Tagesablauf nicht nur die Zeit, sondern auch der Wunsch und vielleicht sogar die Notwendigkeit sich und alle Familienmitglieder, einschließlich seiner Katzen zu beschäftigen. Und was gibt es besseres, als die ständig negativen Nachrichten und die Ungewissheit darüber, was da alles noch kommen mag, erträglicher zu machen, indem man aktiv wird und sich gleichzeitig ein wenig ablenkt?

Wer bisher wenige, keine oder wenig erfolgreiche Versuche unternommen hat mit seinen Katzen ins Clickertraining einzusteigen, hat nun die Möglichkeit einen ersten oder einen weiteren Versuch zu starten. Vielleicht auch mal die Leckerlis dafür nicht kaufen, sondern selbst herstellen, indem man zum Beispiel mit einer Dörrmaschine Fleisch trocknet? Oder die ollen ungesunden Leckerlis umstellt auf proteinreiche hochwertige Katzenleckerbissen? Gibt es eine Übung, die bisher einfach nicht gelingen will? Dann genau jetzt nochmal systematisch ran wagen und ausprobieren! Zur Not Hilfe holen. In der Praxis, für die ich arbeite (Cat Institute Birga Dexel), bieten wir aktuell an, Videos von euren Spiel – und Clickerversuchen auszuwerten. Statt eine ausführliche Beratung vorab buchen zu müssen, gibt es gegen kleines Geld Videoanalysen, Ratschläge und Tipps per E-Mail oder wahlweise per Telefon (sofern natürlich keine gravierenden Verhaltensauffälligkeiten vorliegen, die eine ganzheitlichen Beratung erfordern!). Es hilft aber auch schon oft, sich selbst mal dabei zu filmen, ganz gleich, ob beim Training oder dem Versuch mit seiner Katze zu spielen und selbstkritisch zu hinterfragen: „Was treibe ich da als Mensch eigentlich?“. Wirke ich auf meine Katzen motiviert, agiere ich zu hektisch oder zu langsam, sodass meine Katze vor lauter Chaos oder Langeweile lieber das Weite sucht? Verfolge ich einen genauen Plan beim Training oder spiegelt das Katzenchaos auf der Trainingsfläche eigentlich meine eigene mangelhafte Vorbereitung auf die Interaktion mit meinen Katzen wider? Medical Training, Transportkorbtraining oder den sicheren Leinengang mit einem Walking Jacket können nun in aller Ruhe Schritt für Schritt ins Training eingebaut werden. Alle Familienmitglieder dürfen sich ins Training einbringen und verschiedene Ideen einbezogen werden. Es macht Spaß, sich gemeinsam neue Übungen und spannende Parcoursabläufe zu überlegen. Denkt auch ruhig ein wenig weiter: Wovor hat eure Katze Angst? Macht euch selbst Gedanken oder holt euch Hilfe bei der Entwicklung eines sanften, individuell angepassten Trainings mit dem ihr das Selbstbewusstsein eurer Katzen stärken und ihre Ängste minimieren könnt. Eure Katze(n) dabei einfach dem jeweiligen angstauslösenden Reiz auszusetzen ist hierbei NICHT die Lösung!!!

Wer sich gerne kreativ austobt, kann nun endlich eigenes Katzenspielzeug, Fummelbretter und vielleicht sogar Cat Walk-Elemente sowie Utensilien fürs Clickertraining kreieren und so seinen Katzen etwas richtig Gutes tun, indem das Lebensumfeld um neue spannende Reizen erweitert wird. Fehlt etwas Zuhause im Bastelsortiment, erstmal in den Keller schauen, was sich da noch befindet oder vielleicht sogar zweckentfremdet werden könnte, weil es eh nur noch rumsteht. Oder eben – wo doch die meisten Läden geschlossen sind – online schauen. Und vielleicht auch das ein oder andere Kleingewerbe mit kleinen oder großen Käufen unterstützen – nicht nur in Zeiten von Corona und finanzieller Unsicherheit, sondern generell. Einfach mal die Zeit nehmen und stöbern, was es so an neuem interessantem Spielzeug gibt – und nicht wieder aufschieben, sondern gleich ausprobieren, was den Katzen gefällt! Dabei immer daran denken: die Beute/das Spielzeug rennt niemals auf die Katze todesmutig zu, sondern versucht sich zu verstecken! Und geduldig sein, Katzen lauern oft minutenlang, bevor sie einem kurzen, aber hoffentlich von Erfolg gekröntem Sprint ansetzen – sieht für uns Menschen oft langweilig aus, ist für Katzen aber ein wichtiger Bestandteil der Jagd!

Wellness für Katzen – mit verschiedenen Bürsten und Aufsätzen experimentieren oder am besten gleich ins Clickertraining integrieren, von Anfang an positiv besetzen und für mehr Abwechslung bei den Streichel- und Kuscheleinheiten sorgen. Alle Stoffe und Materialien bieten sich an, mit mehr oder weniger Druck arbeiten, ganz wie es euren Katzen individuell gefällt. Bürsten, Handschuhe, Aufsätze nicht nur Zuhause suchen und ausprobieren, auch mal online im Pferdebedarf schauen – da gibt es tolle Bürsten! Macht euch mit Tellington-Touch für Katzen vertraut, eine unglaubliche Bereicherung und ein wunderschönes Erlebnis für Mensch und Katze! Pfötchen und Bäuchlein massieren, wenn von den Katzen entspannt angenommen wird – wir arbeiten nie mit Zwang!  Immer erst langsam etablieren und sowieso am besten antrainieren, indem man es positiv verknüpft 😉

Oder einfach mal generell neue Leckerlis ausprobieren, eine lang geplante Futterumstellung auf ein hochwertiges Katzenfutter oder gar das BARFEN ins Auge fassen. Hier kann ich euch als Ernährungsberaterin für Katzen aktiv mit meinem Wissen und meiner jahrelangen Erfahrung unterstützen – einfach mal anfragen!

Alles, was ausprobiert, umgestellt oder in der jetzigen Zeit intensiviert wird, darf immer nur als ein Angebot an die Katzen gerichtet werden und niemals von jetzt auf gleich, sondern nur in kleinen Schritten etabliert werden. Wir dürfen und sollen sie motivieren und gemeinsam mit ihnen neue Dinge ausprobieren oder alte Beschäftigungen wiederentdecken – aber genauso wichtig ist es, die Ruhe- und Schlafphasen und die jeweiligen liebgewonnen alltäglichen Routinen unserer Samtpfoten zu akzeptieren. Viele von uns haben nun die Gelegenheit ihre Katzen noch genauer zu beobachten. Vielleicht fallen euch ja ganz neue Seiten an euren Stubentigern auf. Vor allen Dingen könnt ihr schauen, wann sie über den Tag besonders aktiv sind und wann sie sich eher zurückziehen – nutzt die aktiven Phasen gezielt aus. Beschäftigung ist nicht nur in Krisenzeiten für Mensch und Tier wichtig, sondern trägt jederzeit zur Lebensqualität bei!

Auch meine lieben Kunden und Katzeneltern und die, die es noch werden wollen, dürfen sich gerne melden, wenn sie ein wenig Anleitung und Inspiration aus der Ferne brauchen 😉 Mit einigen sind wir schon eifrig dabei, aus dem Homeoffice auch ein „Cat-Office“ zu machen! Andere haben sich gemeldet und einen Notfallplan mit mir erarbeitet, sollten sie selbst betroffen sein und vielleicht ins Krankenhaus müssen, aber ihre Katze(n) gut versorgt wissen wollen. Hierbei gibt es einiges zu beachten, deshalb hilft es das Gespräch vorher zu suchen, um eine individuelle und praktikable Lösung zu finden.

Jetzt seid ihr an der Reihe: Passt auf euch auf, bleibt gesund und seht bei all den Sorgen und Unsicherheiten, die gewonnene Zeit als Möglichkeit sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren, eine vielleicht lang ersehnte Entschleunigung zu erfahren und gestärkt und voller Optimismus, neuen Fähigkeiten und wunderbaren Ideen aus dieser Krise zu gehen. Eure Katzen werden es euch danken und diese besondere Zeit auf jeden Fall sehr zu schätzen wissen!

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Beitrag 1: Katzenbetreuung – Ein Blick auf die Arbeit hinter der Arbeit

Erst kürzlich wurde mir bei einem Wiedersehen mit alten Schulfreunden die Frage gestellt, warum Katzen überhaupt eine Betreuung durch einen mobilen Tiersitter brauchen: „Reicht da keine Futtermaschine? Die sind doch so selbstständig, sind gerne für sich und schlafen die meiste Zeit.“ Solche Fragen und Ansichten bekommen wir Catsitter natürlich sehr häufig zu hören. Oft wird im gleichen Zuge unsere Tätigkeit etwas belächelt und dabei das Wort „Arbeit“ besonders betont: mit einem Augenzwinkern versehen oder Gänsefüßchen in der Luft gezeichnet, um deutlich zu machen, dass Catsitten doch keine Arbeit im eigentlichen Sinne sei.

Das hat mich früher immer sehr geärgert, doch inzwischen sehe ich solche vagen Vermutungen über das Betreuen von Katzen als Chance, meinen Beruf genauer vorzustellen und das Bewusstsein dafür zu fördern, was eine kompetente, verantwortungsvolle Katzenbetreuung ausmacht – und wie viel zeitlichen und emotionalen, sowie organisatorischen Aufwand ein einziger Auftrag mit sich bringt. Meinem näheren Umfeld muss ich nicht erklären, dass meine Arbeit nicht nur aus dem Kuscheln mit vielen süßen Katzen besteht (wobei das ein wunderbarer Aspekt ist, den ich nicht missen möchte!) Ganz im Gegenteil: Freunde und Familie sind froh, wenn ich auch mal Zeit für Treffen finde, von denen ich dann nicht zwischendurch oder gar früher gehen muss, bzw. erst später kommen kann, weil ich einer Katze noch Insulin spritzen oder die abendliche Ration Futter geben möchte. Die Arbeit eines Catsitters setzt eine gehörige Portion Flexibilität voraus und die Bereitschaft genau dann tätig zu sein, wenn andere im Urlaub sind, ihre Feiertage in der Heimat mit ihren Familien feiern, spontan ins Krankenhaus oder zur Kur müssen oder sich ein verlängertes Wochenende gönnen. Ich bin für Katzen da, wenn ihre Halter es in dem Moment nicht können – zu jeder nur erdenklichen Tages- und Nachtzeit, 365 Tage im Jahr.

Wie ist   S T U B E N T I G E R   entstanden?

Begonnen hat natürlich alles mit meiner Liebe zu Katzen, die in meiner Arbeit als Verhaltenstherapeutin, Trainerin und Ernährungsberaterin für Katzen im Cat Institute von Birga Dexel sowie meiner dreijährigen Ausbildung in dem Bereich mündete. Aus Freundschaftsdiensten in meinem persönlichen Umfeld entstand schließlich die Idee zusätzlich noch im Berliner Raum eine Katzenbetreuung anzubieten. Ich konzipierte einen Firmennamen, eine Webseite, ein Logo, meinen Instagram-Account und meine Facebookseite, während ich parallel bereits ein Gewerbe angemeldet hatte und die ersten Katzenhalter und ihre Stubentiger zu meinen Klienten zählen durfte. Ich arbeitete mich tiefer in das Thema Buchhaltung ein. Auf diese Strukturen baue ich heute noch und arbeite fast täglich daran, meine Social-Media-Kanäle zu pflegen, Content zu produzieren (Texte und Fotos) sowie meine Buchhaltung auf einem aktuellen Stand zu halten (damit es am Ende des Jahres nicht zu chaotisch wird 😉). Das kostet viel Zeit, Disziplin und Nerven, auch wenn es sehr großen Spaß macht. Doch damit allein verdiene ich kein Geld, sondern als Catsitterin natürlich hauptsächlich mit meinen Einsätzen.

Welche Abläufe stecken hinter so einem Betreuungseinsatz?

Zunächst werde ich dafür von potenziellen Klienten oder bestehenden Stammkunden kontaktiert – per E-Mail oder Telefon, ganz gleich ob morgens, mittags oder abends. Reagiere ich nicht zeitnah, suchen sich meistens die Neukunden jemanden, der sich schneller zurückmeldet. Oft haben sie eh schon mehrere Katzenbetreuer angeschrieben und ich würde im Falle einer verzögerten Rückmeldung den Kürzeren ziehen, was mir ein Glück meines Wissens bisher noch nie passiert ist. Ein Hoch auf unsere digitale Abhängigkeit 😉

In einigen schriftlichen Nachrichten und einem ersten Telefonat besprechen wir Einzelheiten und klären die Konditionen und, ob ich den Auftrag in dem gewünschten Zeitraum übernehmen kann. Bei einem persönlichen kostenfreien Kennenlernen und einer Einweisung in die Gegebenheiten vor Ort entscheidet sich dann final, ob die Chemie zwischen uns Menschen, aber auch zwischen den Katzen und mir soweit stimmt. Hier wende ich nicht nur die Zeit vor Ort auf, sondern muss zeitlich auch die Hin,- und Rückfahrten, die bisher durchaus zwischen 30 und 90 Minuten pro einzelne Fahrt bedeuten konnten. Bisher war ich ja auch von Teltow, Steglitz, Zehlendorf, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Mitte, Großbeeren über Bergfelde und Spandau und Biesdorf gefühlt schon überall eingesetzt – und das oft in mehreren Bezirken zugleich. Unterwegs bin ich meistens mit den Öffentlichen, aber auch mit meinem Fahrrad und Leihrollern im Sommer und ganz selten mal mit einem geliehenen Auto, wenn der Einsatz schlecht zu erreichen ist, ich sehr viele Einsätze parallel habe, die weit voneinander entfernt liegen oder richtig vor Ort wohne.

Mit Beginn eines Einsatzes kümmere ich mich 1-3x täglich um die mir anvertrauen Katzen, übernachte oder ziehe gar für den kompletten Betreuungszeitraum ein. Ich füttere die Katzen, manchmal getrennt und/oder mit unterschiedlichem Futter, säubere die Katzentoiletten und wechsle das Trinkwasser aus. Zudem gebe ich Medikamente, bürste die Katzen, spiele mit ihnen, setze mich zu ihnen und gebe ihnen die Möglichkeit, sich nach Lust, Laune und Vorlieben streicheln und kuscheln zu lassen. Bei besonders ängstlichen Katzen bin ich auch einfach da oder komme wirklich nur, um die Grundbedürfnisse zu erfüllen, sollte die Angst vor Fremden zu groß ist. Ich clickere mit den Katzen, wenn denn gewünscht und als Routine bereits vor meinem Einsatz etabliert. Ich reinige alle Utensilien wie Fressnäpfe, Matten, Futtermaschinen und natürlich auch den Bereich rund um die Toiletten, wenn mal etwas daneben geht oder eine der Katzen mich mit hochgewürgtem Fell willkommen heißt 😉 Ich betreue zum Teil unsaubere Katze oder Katzen, die markieren, sprich auch die Reinigung der entsprechenden Decken, Kissen, Flächen, etc. fällt in meinen Aufgabenbereich. Wenn Katzen im Rahmen einer Vergesellschaftung oder aus anderen Gründen in einem Revier getrennt gehalten werden müssen, übernehme ich bei meinem Einsatz die Verantwortung dafür, dass es nicht zu Zwischenfällen kommt. Wie lange ich vor Ort tatsächlich bin, spreche ich mit den Haltern ab, etwa 30-60 Minuten sind es in der Regel. Ich passe mich aber auch den Katzen an. Es gibt Tage, da schlafen sie lieber oder fühlen sich nicht nach Interaktion, dann gehe ich auch mal eher. Dafür bleibe ich an anderen Tagen länger, wenn ich merke, die Katzen haben nur darauf gewartet, dass ich komme, um mit mir wild durch die Wohnung zu jagen oder sich ausgiebig streicheln zu lassen – im besten Fall natürlich beides 😉 Ich hole nach Vereinbarung die Post rein, gieße die Pflanzen in der Wohnung und auf den Balkonen und Terrassen oder im Garten, nehme in vorheriger Absprache Pakete an, lasse Handwerker rein und beaufsichtige sie, bringe natürlich den Müll runter. Ich schieße auch Fotos von den Katzen, was interessanterweise auch für die Halter ein sehr wichtiger Aspekt ist: Sie haben nicht nur eine bleibende Erinnerung an ihre Katzen, sondern auch eine indirekte Absicherung, dass ich als Catsitter gewissenhaft arbeite. Mal sind es Schnappschüsse und mal nehme ich mir richtig Zeit und versuche kleine Kunstwerke zu erschaffen, die nicht nur den Haltern, sondern auch meiner Community Freude bereiten. Auch der ein oder andere ungeplante Tierarztbesuch stand schon mal während meiner Betreuung auf der Tagesordnung. Meine Einsätze können unkompliziert und schön sein, aber auch hochkompliziert und anspruchsvoll – und dennoch bereichernd. Es gibt Tage, da möchte ich mich sehr ungern schon um 5 Uhr morgens für meine Morgeneinsätze aus dem Bett erheben oder der nach einer Geburtstagsfeier nochmal zwei Abendeinsätze abfahren. Doch die hungrigen, meist freudig auf mich wartenden Katzen motivieren mich jedes Mal und die Anstrengungen zahlen sich dann nicht nur finanziell aus, sondern erfüllen mich auch mit sehr viel Freude, da mir die Samtpfoten so viel zurückgeben.

Ich ziehe für ca. 3 Monate eines Jahres in Abwesenheit verschiedener Klienten bei ihren Katzen ein – ich bemühe mich, es nicht mehr werden zu lassen, damit ich auch noch etwas wie ein Privatleben habe. Ich freue mich sehr über jeden neuen Stubentiger im Team, ich ärgere mich über kleine Missverständnisse und weine vor Freude, wenn ich ein besonders schönes Feedback zu meiner Arbeit bekomme oder eine besonders ängstliche Katze langsam auftaut und Vertrauen zu mir fasst. Ich trauere um die Katzen, die ich nicht mehr betreuen kann, weil sie leider nicht mehr unter uns weilen.

Von Mensch zu Mensch

Doch die größte Arbeit neben den Anfahrtswegen, der Organisation und Planung, ist nicht die Versorgung der vielen verschiedenen Katzen, sondern vor allem die Interaktion und Absprache mit den Katzenhaltern – hier ist viel Empathie und Fingerspitzengefühl gefragt, denn meine Kunden wollen nur das Beste für ihre Samtpfoten – und das sollen sie auch bekommen. Manche muss ich immer wieder beruhigen, dass es ihren Lieblingen auch wirklich gut geht, anderen das 23. Foto am gleichen Tag verweigern, weil ich keine Fotografin bin, sondern mich mit den Katzen beschäftigen möchte – da stört so ein übermäßiger Handygebrauch einfach nur. Auch wenn ich sehr gerne Bilder mache, stehen immer die Katzen im Fokus meiner Arbeit. Ich packe kleine Präsente aus und nasche Leckereien, die mir netterweise dagelassen werden. Nicht nur zwischen den Katzen und mir entstehen wunderbare Freundschaften und enge Bindungen, sondern auch zwischen ihren Haltern und mir. Ich pflege mit allen einen professionell-vertrauten Kontakt – immerhin lassen sie mich in ihre Privaträume, ihr Zuhause und ganz allein mit ihren vierbeinigen Familienmitgliedern.

Ein Abschlussbericht nach der Rückkehr der Halter ist natürlich obligatorisch und eine Schlüsselübergabe, wenn ich diesen nicht schon hinterlegt habe oder bis zum nächsten Einsatz verwahre, sowie natürlich das Schreiben einer Rechnung. Die meisten Anfragen und Einsätze überschneiden sich: ich habe Klienten, die 1-1,5 Jahre im Voraus mit mir Pläne für die Urlaubsbetreuung schmieden, aber natürlich auch einige Last-Minute-Anfragen. Über jede rechtzeitige Planung freue ich mich natürlich besonders, denn so kann ich auch meinen eigenen Urlaub oder mal ein freies verlängertes Wochenende planen und meine Batterien wieder auftanken. Im Fall der Fälle versuche ich aber immer eine Vertretung für mich zu organisieren. In den Schulferien und rund um die Feiertage habe ich im Schnitt 5-9 Einsätze am Tag – meistens zusätzlich zu meiner Teilzeittätigkeit als Verhaltensberaterin im Cat Institute. So kam ich über Weihnachten und Silvester 2019 auf 58 Einsätze in 17 Tagen – und irgendwo mittendrin fanden meine eigenen Weihnachtsfeiern im Kreis der Familie und Freunde statt. Arbeit und Freizeit gehen bei mir Hand in Hand, die Grenzen verwischen immer wieder mal und das ist in Ordnung, solange es meinen Schützlingen gut geht und ich immer wieder Momente zum Durchatmen und für ein gutes Buch finde.

Ich bin gleichzeitig angestellt und selbstständig, ich liebe meine Arbeit und ich liebe die Katzen, mit denen ich täglich Zeit verbringen darf. Doch die Arbeit hinter der Arbeit ist umfangreicher als vielen bewusst ist. Mit den mir anvertrauten Stubentigern kuscheln gehört aber definitiv zu den schönsten Seiten. Ich freue mich jeden Tag darüber, meine Leidenschaft und meinen Beruf miteinander verbunden zu haben, doch natürlich soll mein Beruf neben der Berufung und Sinnhaftigkeit auch meine Existenz sichern. Nicht jeden einzelnen Tag, aber am Ende der Woche oder des Monats spätestens muss sich mein Aufwand in entsprechenden Zahlen niederschlagen, damit ich nicht nur mein tägliches Leben finanzieren kann, sondern mir in meiner knapp bemessenen, aber deshalb umso wertvolleren Freizeit meine kleinen und großen Wünsche erfüllen kann. Ich selbst würde nur zu gerne in so vielen Berufen mal für einen Tag Mäuschen spielen – ich denke, mein Bild über jede Tätigkeit würde nur noch differenzierter werden. In dem festen Glauben, dass sich Erwerbstätigkeit und Hingabe für einen Themenbereich, sowie persönliche Interessen und Talent wunderbar ergänzen können, habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Aus Liebe zu Katzen.

Stubentiger-B1

 

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